Michael J Berlin

Fotograf: Städte, Architektur, Werbung

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Eine Frau, zwei Seiten

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Ganz selten ging es mir so wie in der Vorbereitung auf das Shooting mit Sophie: Nach dem ersten Kontakt habe ich mir ihre Facebook-Fotos angeschaut und wusste sofort, welche Art Bild ich gerne mit ihr machen würde.

Nachdem wir das Shooting an zwei Tagen – einmal wegen Zeitmangel, einmal wegen des Wetters – verschieben mussten, trafen wir uns nun am Sonntagabend in der Stunde vor Sonnenuntergang. Ursprünglich hatte ich eine Graffiti-Wand als Hintergrund im Kopf, wollte dazu eventuell an der Revaler Straße auf dem Gelände von Urban Spree eine Wand suchen. Am Wochenende ist es dort aber zu betriebsam, um wirklich ein bisschen Zeit und Ruhe für Fotos zu haben. Ich war mir auch nicht sicher, wer dort das Hausrecht vertritt und selbst im sehr offenen Bezirk Friedrichshain könnte man ja damit rechnen, dass jemand etwas gegen ein künstlerisches Projekt auf seinem Gelände einzuwenden hat.

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Daher haben wir kurzfristig umdisponiert und ein Stück der East Side Gallery gefunden, das als Hintergrund meinen Vorstellungen entsprach. Es ging mir ja vor allem darum, Sophie vor einem für den Bezirk typischen, aber gleichzeitig nicht allzu dominanten Hintergrund abzulichten.

Sophie ist zwar erst vor nicht allzu langer Zeit nach Berlin gezogen, aber sie passt hervorragend in die Stadt und vor allem den Bezirk Friedrichshain. Tatöwiert und gepierct, mit Sidecut und langen roten Haaren. Eine Frau, die ihre eigenen Ideale verfolgt. Und eine Frau mit zwei Seiten, wie ich auf Anhieb fand. Dies war auch die Basis für das Hauptbild, das ich in dem Shooting auf jeden Fall schiessen wollte: Die beiden optisch sehr unterschiedlichen Seiten auf einem Endergebnis sichtbar zu machen. Photoshop sei Dank, ist so etwas heutzutage ja an sich kein Problem. Trotzdem war es für meine Fähigkeiten beim Shooting selbst eine Herausforderung, denn um aufwändiges Ausschneiden und Montieren zu vermeiden, mussten die Ausgangsbilder bereits perfekt zusammen passen. Das ist mir diesmal gelungen, so dass das Übereinanderlegen der Ausgangsbilder kaum Probleme bereitete, und ich nur die Hälften ineinander übergehen lassen musste.

Die bewusst gewählten harten Schatten stehen auch in klarem Kontrast zu den Bildern, die ich üblicherweise schiesse. Aber genau darum geht es mir ja in meiner momentanen „Entdeckungstour“: Neue Stilmittel, bewusst eingesetzt, sowohl in der Fotografie an sich als auch in der Nachbearbeitung.

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Ich selbst wäre mit dem einen Bild schon glücklich gewesen, dafür lohnt sich aber der Aufwand nicht, Kamera, Blitz, Stative, Objektive und den ganzen Krimskrams zu packen und durch die Stadt zu schleppen. Ein weiteres für später geplantes Bild mit einem schönen Sonnenuntergang fiel leider den dicken Wolken zum Opfer. Aber wir haben die Zeit trotzdem genutzt, um auf der Oberbaumbrücke mit den wunderschönen Rundbögen aus roten Ziegeln einige Bilder zu machen, die ebenfalls dezent, aber deutlich „Berlin“ sagen.

Um das selbst gesetzte Motto der „zwei Seiten“ auch hier fortzusetzen, habe ich dann spontan auch einige Bilder mit extremer Weitwinkel-Perspektive geschossen – jeweils eines von unten und eines von oben. Auch hier bin ich gerade mit der Kombination und den optischen Kontrasten sehr glücklich.

Alles in allem ein sehr erfolgreiches Shooting, in dem – auch Dank meines Assistenten Felix – sehr zügig verschiedene Ideen umgesetzt werden konnten.

Ein paar weitere Bilder sind auch noch auf meiner Festplatte, die ich dann noch in den nächsten Tagen gemütlich entwickeln und mich daran freuen kann. :)

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