Michael J Berlin

Fotograf: Städte, Architektur, Werbung

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Ich bin schon immer im Internet sozialer aktiv gewesen als zumeist im realen Leben. Als Student bekam ich 1992 an meiner Universität Zugang zum Internet. Ja, Internet, nicht World Wide Web zu der Zeit, also in unserem Fall weisse Buchstaben in Courier Schriftart auf einem blauem Hintergrund. Ich entdeckte relativ schnell die Möglichkeiten, sich global mit anderen Gleichgesinnten auszutauschen. Und das Spiel Diplomacy liess sich nur schwer im realen Leben spielen, da man sieben Spieler über einen recht langen Zeitraum benötigt. Über das Internet konnte man mit Hilfe automatisierter Mail-Server solche Spiele dann per Email abwickeln. Mit dazu gehörigen Kontakten zwischen den Spielern. Es war großartig.

Natürlich wurde ich auch online in Netzwerken aktiv, nachdem ich Fotografie als einen größeren und wichtigeren Teil meines Lebens aufnahm. Der aktiven Beteiligung in verschiedenen Foren (wir waren damals so arm, wir hatten ja noch nicht einmal Facebook) habe ich dann auch viele Chancen zu verdanken. Eine davon war die Tätigkeit als Moderator des deutschsprachigen Forums bei iStockphoto. Ich kann mich aus dieser Erfahrung also auch in jeden Administrator und Moderator einer Online-Community einfühlen. Es war noch einigermaßen zivilisiert, weil es ja für die Beteiligten um Geld und Geschäft ging, und die Anonymität war einigermassen eingeschränkt. Trotzdem hatten wir auch damals schon den einen oder anderen, der zu jeder Diskussionen seinen – eher weniger als mehr relevanten – Kommentar abliefern musste; nach wenigen Beiträgen wich fast jede Diskussion vom ursprünglichen Thema ab; und der eine oder andere kam zwei Mal im Monat vorbei, nur um uns allen mitzuteilen, warum bei uns alles miserabel ist und wir sowieso alle dumm und schlechte Menschen sind.

Meine Erfahrungen in letzter Zeit lassen mich dann aber denken, dass wir damals einen hervorragenden Job gemacht haben. Denn im Großen und Ganzen haben wir destruktive Diskussionen sehr schnell unterbunden, so dass eine echte gegenseitige Hilfsbereitschaft unter den meisten Teilnehmern bestand. Man konnte miteinander scherzen, man konnte sich auch mal gegenseitig kritisieren, aber es wurden vor allem auch alle Fragen gerne und höflich beantwortet. Auf kein Thema wurde bei uns jemals in der Form geantwortet: „Was willst du hier überhaupt mit der Frage? Das kann man doch alles googlen“, oder gar nach dem Motto „wenn du eh nicht alles weisst, dann solltest du auch nicht hier posten.“ Das scheint aber in den heutigen Gruppen zum gegenseitigen Austausch der Normalfall zu sein. Vielleicht ist es auch nur bei Facebook so, aber das ist nun einmal mein bevorzugtes soziales Medium.

Soziale Medien für uns Fotografen

Für Fotografen gibt es auch einige interessante Gruppen auf Facebook, ich folge auch nicht wenigen davon – sowohl in deutsch als auch englisch. Einige dienen dem gegenseitigen Austausch von Bildern, und der Möglichkeit, „Feedback“ von anderen einzuholen. In anderen werden Tipps und Tutorials für Photoshop und Lightroom ausgetauscht. Und in wieder anderen können sich Fotografen, Models und Visagisten austauschen und verabreden

Ich bin auch auf Google+ aktiv und dort in einigen „Communities“. Ich habe hier aber nie eine echte Aktivität im Sinne eines gegenseitigen Austauschs angetroffen (abgesehen von einer privaten Community einer meiner Agenturen). Bei Google+ sehen die Fotos zwar viel hübscher aus, darüber geredet wird aber scheinbar eher nicht. Und Twitter habe ich trotz mehrerer Anläufe in den letzten Jahren nie so wirklich ganz verstanden. Vermutlich sind die meisten meiner Gedanken einfach zu kompliziert für 140 Zeichen.

Also bleibt Facebook meine zentrale Anlaufstelle im Kontakt mit anderen. Doch bei den genannten Gruppen habe ich eben bewusst geschrieben, dass ich ihnen „folge“. Denn wirklich aktiv bin ich in kaum einer (mehr). Gelegentlich antworte ich auf spezifische Fragen in Gebieten, in denen ich mich selbst mehr oder weniger als Experten sehe. Aber dort gibt es auch genügend andere mit gleicher oder mehr Erfahrung und vermutlich auch mehr Zeit, denn deren Namen tauchen sehr schnell bei fast jeder Frage auf. Und meistens mit denselben oder sehr ähnlichen Antworten zu fast jeder Frage.

Und wer es wagt, ein Bild auch einfach mal gelungen zu finden (selbst wenn man es selbst so nicht geschossen oder bearbeitet hätte), der sieht sich dann auch gleich Angriffen anderer ausgesetzt. Erst kürzlich fand ein Administrator (!) einer solchen Facebook-Gruppe, ich sei ja nur ein „Sympathisant“. Es ging wohlgemerkt um ein Bild eines Fotografen, von dem ich vorher noch nie gehört habe. Nachdem der Admin selbst zu dem Schluss gekommen sei, dass die Farben zu gesättigt seien, habe ich mich zu dem Kommentar hinreissen lassen, dass solche Entscheidungen zur Freiheit jedes Fotografen gehören und gefälligst nicht von anderen kritisiert werden sollten, schon gar nicht in einer Satzform, die diese persönliche Ansicht als absolute Wahrheit beschreibt. Danke vielmals. Und Tschüss.

Warum ich dann überhaupt noch in solchen Gruppen aktiv bin? Ich schaue gerne Fotos an. Ich lerne von fast jedem Bild, das ich sehe. Einige sind so viel besser als ich, dass mich ihre Bilder herausfordern besser zu werden. Andere stehen dort, wo ich vor zehn oder fünfzehn Jahren war, was mir immer wieder aufzeigt, wie weit ich schon gekommen bin. Und ich lese und schreibe gerne. Das Feedback zu Bildern anderer kann mich auch weiter bringen, und wenn jemand eine Frage hat, beantworte ich diese auch gerne. So habe ich selbst viel gelernt und gebe das Gelernte (sowie hier und da meine persönliche Meinung) auch gerne weiter.

Kritik und Feedback geben – wenn sie hilft

Fotografie ist Kunst. Kunst ist subjektiv. Kritik verträgt nicht jeder.

Fotografie ist Kunst. Kunst ist subjektiv. Kritik verträgt nicht jeder.

Ich bin jederzeit bereit, einem interessierten Fotografen Hinweise und Tipps zu geben, wie er oder sie mit seinen Bildern zu besseren Ergebnissen kommen könnte. Dazu muss aber einerseits der Wille des anderen schon einmal da sein. Das ist nicht automatisch bei jedem Bild und jedem Fotografen der Fall. Daher bleibe ich im Zweifelsfall lieber ruhig. Unerwünschte Kritik kommt eh nicht beim Empfänger an. Das geht uns allen so: Wir schalten in die Defensive und werden frustriert und verletzt, wenn etwas unerwartet kritisiert wird. Ja, Facebook ist ein soziales Medium, und man sollte hier auch Kritik erwarten. Tun viele aber so und in dieser Form nicht. Ich gebe also lieber keine Kritik, wenn nicht ausdrücklich um diese gebeten wird.

Wenn ausdrücklich Feedback gewünscht wird, dann versuche ich vor allem, einen Ansatz in den Bildern zu finden, was dort nun einmal hätte besser gemacht werden können. Dabei geht es mir niemals um Farben oder Objekte, die zu sehen sind. Denn letztlich will ich doch nicht, dass andere Fotografen einfach nur so fotografieren und bearbeiten, wie ich es tue. Es soll im Idealfall jeder seinen eigenen Weg finden. Ich will nur Hinweise geben, in welche Richtung man nach seinem eigenen Weg suchen könnte, um schneller voran zu kommen.

Daher finde ich es enorm wichtig, zuerst die Intention des Fotografen zu verstehen. Kernfrage darf es nicht sein: „Wie hätte ich dieses Bild in dieser Situation geschossen?“ Sondern die Frage muss lauten: „Was wollte sie (oder er) hier eigentlich für ein Bild schiessen und was hat dabei nicht so ganz funktioniert?“ Und dann nützt es überhaupt nichts, generelle fotografische Hinweise zu geben („google mal nach goldener Schnitt“), sondern konkret an Hand des Bildes die wichtigsten Punkte klar zu machen. Konkrete Verbesserungsvorschläge bleiben viel länger im Gedächtnis und fliessen beim nächsten Foto vermutlich stärker ein als allgemeine Ideen. Und es ist völlig ausreichend, den einen oder die zwei größten Schwachpunkte zu nennen. Denn alles auf einmal kann niemand lernen.

Umgekehrt stelle ich meine Bilder auch nicht zur Diskussion in öffentlichen Foren oder Gruppen: Selbst wenn mir dort fünf Menschen gutes, konstruktives Feedback geben würden, hätte ich dann vermutlich fünf verschiedene Punkte, die man anders hätte machen können. Anders ist aber nicht unbedingt besser. Und ein Bild ist nicht schlecht, nur weil jemand etwas anders gemacht hätte. Das Problem kommt aber vor allem, dass es niemals dazu kommen wird, fünf konstruktive Antworten zu erhalten. Zu schnell wird ein einmal aufgezeigter Fehler  zehn Mal von anderen aufgegriffen und wiederholt, einige kommen mit völlig unsachlichen Kommentaren, andere haben eigentlich „Änderungswünsche“, die mit meiner Vision von diesem Bild gar nichts zu tun haben, und dazwischen fangen drei Leute an, sich gegenseitig zu beleidigen.

Dazu gibt es eigentlich nur eine Ausnahme: Ein eigentlich nahezu „perfektes“ Foto – auch wenn es das nicht gibt, aber zumindest eines, das keiner der Beteiligten besser hätte schiessen können. Und was bekommt man hier als Feedback? Vier oder fünf „Likes“, und null Kommentare. denn wer sich damit als Erster outet, dass das Bild echt gut sei, der sieht sich dann ja möglicherweise auch noch Angriffen durch andere ausgesetzt, die doch noch einen Fehler finden.

Am Ende hält man sich vermutlich für einen viel schlechteren Fotografen als man tatsächlich ist, denn das Gute wird zu wenig honoriert und das Schlechte masslos überbewertet. Und einen echten Nutzen daraus ziehen kann man eigentlich auch nicht, denn es werden viel zu viele mögliche Mängel aufgezeigt und Themen angesprochen.

Wie man sich wirklich fotografisch weiterentwickelt

Daher mein Rat: Wenn Ihr Euch fotografisch ehrlich weiter entwickeln wollt, dann sprecht andere Fotografen direkt und persönlich an und bittet sie um Feedback. Das kann für ein einzelnes Bild sein oder für ein Portfolio. Und manchmal bekommt man halt eine Antwort, dass der andere keine Zeit dafür hat. In vielen Fällen werden sich Fotografen aber gerne dazu bereit erklären, denn man ehrt sie ja indirekt damit, dass man ihr Wissen und ihre Meinung schätzt. Und wichtig: Wählt einen Fotografen, den Ihr für besser haltet als euch selbst. Von Menschen mit ähnlicher oder weniger Erfahrung bekommt Ihr keine guten Hinweise, orientiert Euch lieber an dem, was Eure Vorbilder sagen können.

Es spricht auch nichts dagegen, Bilder in Gruppen oder Communities zur Diskussion zu stellen. Aber macht es unbedingt mit Bildern, mit denen Ihr selbst nicht zufrieden seid. Macht es auf keinen Fall mit Bildern, auf die Ihr stolz seid. Und seid selektiv, welches Feedback Ihr annehmt oder nicht. Nichts davon ist persönlich gemeint, denn keiner von den Beteiligten kennt Euch als Menschen, nicht einmal als Fotografen. Er oder sie sieht lediglich das eine Endergenis, das Ihr in dem Moment zeigt. Pickt euch einfach die ein, zwei, drei Punkte aus den Kommentaren heraus, die Ihr praktisch sofort im nächsten Shooting umsetzen könnt. Wir alle haben unsere Grenzen und müssen uns Schritt für Schritt entwickeln.

Oder fragt Eure Mutter, meine fand meine Bilder jedenfalls immer toll.

Ach so, ja. Zurück zum Eingangsbild. Wenn jemand unbedingt will, darf er da seinen Senf dazu geben… 😉

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